Tag 02 – Erwartungen sichtbar machen
Nur weil du weißt, was du erwartest, bedeutet das noch lange nicht, dass deine Mitarbeiter es genauso klar wissen.
Impuls des Tages
Viele Führungsprobleme beginnen nicht mit fehlender Motivation. Sie beginnen mit fehlender Klarheit.
Eine Führungskraft denkt: „Das haben wir doch besprochen.“ Der Mitarbeiter denkt: „So konkret war das für mich nicht.“
Genau an dieser Stelle entstehen Missverständnisse, unterschiedliche Qualitätsvorstellungen und Frust. Was für dich selbstverständlich erscheint, ist für einen anderen Menschen möglicherweise niemals ausdrücklich formuliert worden.
Gute Führung setzt deshalb nicht voraus, dass Mitarbeiter Gedanken lesen können. Sie schafft Klarheit darüber, was erwartet wird, warum es wichtig ist und woran gute Leistung erkennbar ist.
Das bedeutet nicht, dass jede Aufgabe mit einer langen Anweisung versehen werden muss. Entscheidend ist etwas anderes: Bei den wichtigen Punkten darf es keinen Interpretationsspielraum darüber geben, welches Ergebnis, welche Verantwortung oder welches Verhalten erwartet wird.
Wähle einen Mitarbeiter
Wähle für diese Übung einen Mitarbeiter, bei dem du aktuell merkst, dass Erwartungen, Verantwortlichkeiten oder Zusammenarbeit nicht vollständig klar sind.
Welche Erwartungen hast du wirklich?
Formuliere deine Erwartungen so, dass jemand anderes sie verstehen und im Arbeitsalltag erkennen kann.
Welche Ergebnisse oder Qualitätsstandards erwartest du?
Wofür soll die Person selbstständig Verantwortung übernehmen?
Wie soll die Person mit Kollegen und anderen Bereichen zusammenarbeiten?
Wann erwartest du Information, Rückmeldung oder Rücksprache?
Welches Verhalten erwartest du gegenüber Kollegen, Kunden, Gästen oder Führungskräften?
Der Realitätscheck
Jetzt geht es nicht darum, ob diese Erwartungen sinnvoll sind. Prüfe zunächst nur, ob du sie tatsächlich klar ausgesprochen hast.
Was wurde bereits ausdrücklich geklärt?
Mehrfachauswahl möglich. Die Auswahl dient deiner Orientierung und ist bewusst kein Pflichtfeld.
Die entscheidende Frage
Wenn ein Mitarbeiter eine Erwartung nicht erfüllt, lohnt sich vor jeder Kritik zunächst ein kurzer Realitätscheck.
Führe ein Klarheitsgespräch
Wähle aus deinen heutigen Erkenntnissen eine konkrete Erwartung aus, die du mit dem Mitarbeiter klären wirst.
Das Gespräch muss nicht lang sein. Entscheidend ist, dass am Ende beide Seiten dasselbe Verständnis davon haben, was künftig erwartet wird.
Mache eine Erwartung sichtbar.
Sprich eine konkrete Erwartung aus, statt davon auszugehen, dass dein Mitarbeiter sie bereits kennt. Frage anschließend ausdrücklich, ob die Erwartung für ihn eindeutig ist.
Nach dem Gespräch
Ein gutes Klarheitsgespräch endet nicht mit: „Jetzt weißt du Bescheid.“ Es endet mit einem gemeinsamen Verständnis und einer überprüfbaren Vereinbarung.