Tag 28 – Dein Führungsversprechen
Deine Führungsstandards beschreiben, wie du handeln willst. Heute gehst du einen Schritt tiefer: Du formulierst, wofür du als Führungskraft stehen möchtest und worauf sich deine Mitarbeiter bei dir verlassen können.
Gestern hast du drei persönliche Führungsstandards formuliert. Sie geben dir Orientierung für dein tägliches Verhalten. Heute verbindest du diese Standards mit deiner Haltung als Führungskraft: Was dürfen Menschen grundsätzlich von dir erwarten?
Impuls des Tages
Führung wird nicht dadurch glaubwürdig, dass eine Führungskraft die richtigen Begriffe kennt.
Sie wird glaubwürdig, wenn Mitarbeiter über längere Zeit erleben, dass Worte und Verhalten zusammenpassen.
Respekt. Klarheit. Fairness. Verantwortung. Vertrauen. Verlässlichkeit.
All diese Begriffe sind schnell ausgesprochen.
Ihre eigentliche Bedeutung entsteht erst im Alltag.
Deshalb geht es heute nicht darum, einen möglichst beeindruckenden Leitsatz zu schreiben.
Dein Führungsversprechen muss zu dir passen. Und du musst bereit sein, es tatsächlich zu leben.
Was ist ein Führungsversprechen?
Ein Führungsversprechen beschreibt, worauf sich Mitarbeiter in der Zusammenarbeit mit dir grundsätzlich verlassen können sollen.
Wie möchte ich Menschen grundsätzlich begegnen?
Wie wird diese Haltung im Alltag sichtbar?
Worauf dürfen sich Mitarbeiter bei mir verlassen?
Kein Unternehmensleitbild. Kein Marketingtext.
Dein Führungsversprechen soll nicht besonders groß klingen.
Es soll besonders glaubwürdig sein.
„Ich begegne allen Menschen jederzeit auf Augenhöhe und schaffe ein Umfeld maximaler Wertschätzung.“
„Ich sage klar, was ich erwarte, höre die Sicht meiner Mitarbeiter an und spreche Probleme respektvoll an.“
Was sollen Mitarbeiter bei dir erleben?
Nutze deine drei Führungsstandards
Dein Führungsversprechen darf nicht getrennt von deinen Standards entstehen.
Es soll die gemeinsame Haltung hinter ihnen sichtbar machen.
Die BND-Versprechensformel
Welche Haltung soll meine Führung prägen?
Was dürfen Mitarbeiter konkret von mir erwarten?
Was gilt auch bei Konflikten, Fehlern und Leistungsproblemen?
Respekt zeigt sich besonders in schwierigen Situationen
Respekt ist leicht, wenn alles gut läuft.
Entscheidend ist, wie du reagierst, wenn jemand einen Fehler macht, widerspricht, Erwartungen nicht erfüllt oder einen Konflikt auslöst.
Was bedeutet Fairness in deiner Führung?
Fairness bedeutet nicht, alle Menschen immer gleich zu behandeln.
Aufgaben, Erfahrung, Verantwortung und individuelle Situationen können unterschiedlich sein.
Aber Regeln, Entscheidungen und Erwartungen müssen nachvollziehbar bleiben.
Was dürfen Mitarbeiter von deiner Klarheit erwarten?
Mitarbeiter sollten nicht raten müssen, ob etwas wichtig ist, ob du zufrieden bist oder welche Erwartung gerade gilt.
Was dürfen Mitarbeiter von deiner Verlässlichkeit erwarten?
Führung wird berechenbar, wenn Mitarbeiter erleben, dass Zusagen, Standards und grundlegende Verhaltensweisen nicht ständig wechseln.
Was solltest du nicht versprechen?
Ein glaubwürdiges Führungsversprechen enthält keine Dinge, die du nicht kontrollieren kannst.
„Bei mir gibt es nie Konflikte.“
„Ich werde immer Zeit haben.“
„Ich kann jeden Wunsch erfüllen.“
„Ich werde nie eine falsche Entscheidung treffen.“
„Ich spreche Konflikte an.“
„Ich sage ehrlich,
wenn etwas gerade nicht möglich ist.“
„Ich höre Erwartungen an
und gebe eine klare Rückmeldung.“
„Ich korrigiere Entscheidungen,
wenn ich einen Fehler erkenne.“
Formuliere deine erste Fassung
Schreibe zunächst frei.
Noch nicht perfekt. Noch nicht besonders kurz.
Prüfe dein Führungsversprechen
Bin ich bereit, mich selbst daran messen zu lassen?
Wird daraus tatsächliches Verhalten erkennbar?
Kann ich es auch an schwierigen Tagen einhalten?
Dein finales Führungsversprechen
Verdichte deine Gedanken jetzt auf wenige Sätze.
Dein Führungsversprechen sollte so formuliert sein, dass du es selbst regelmäßig lesen und als persönliche Orientierung nutzen kannst.
Lies dein Versprechen aus Sicht eines Mitarbeiters
Stell dir vor, ein Mitarbeiter liest diesen Satz und arbeitet seit zwei Jahren mit dir zusammen.
Würde er sagen: „Ja, das erlebe ich tatsächlich“?
Dein Versprechen braucht Verhalten
Ein Führungsversprechen verändert noch nichts.
Erst wiederholtes Verhalten macht es glaubwürdig.
Mache dein Führungsversprechen sichtbar
Formulieren. Platzieren. Danach handeln.
Lege dein finales Führungsversprechen heute an einem Ort ab, an dem du es regelmäßig siehst. Verbinde es mit deinen drei Führungsstandards und nutze beides künftig als persönlichen Führungsrahmen.
Du musst dein Führungsversprechen nicht groß verkünden
Ein Führungsversprechen muss nicht als Poster im Betrieb hängen.
Du kannst es zunächst als persönliche Verpflichtung nutzen.
Wenn du es später mit Mitarbeitern teilst, sollte dies nicht wie eine Ankündigung wirken, sondern wie eine Einladung, dich an deinem Verhalten zu messen.
Wenn du es mit deinem Team teilst
Dann erkläre nicht, wie gut du künftig führen wirst.
Erkläre, woran du arbeiten möchtest und woran Mitarbeiter dich erinnern dürfen.
Prüfe regelmäßig: Lebe ich mein eigenes Versprechen?
Dein Führungsversprechen eignet sich hervorragend als kurze persönliche Kontrollfrage.
Was nimmst du aus Tag 28 mit?
Der zweite Führungscheck
Heute hast du deinen persönlichen Führungsrahmen vervollständigt: drei Führungsstandards und ein Führungsversprechen.
Morgen geht es nicht mehr nur um dein Gefühl.
Du wiederholst den Führungscheck vom Beginn des Programms und vergleichst deine heutige Einschätzung mit deinem Ausgangspunkt.
So wird sichtbar, wo sich deine Führung entwickelt hat und welche Bereiche auch nach den 30 Tagen weiter Aufmerksamkeit brauchen.