Tag 06 – Dein Anteil am Problem
Nicht jedes Problem im Team entsteht durch Führung. Aber manche Probleme bleiben bestehen, weil Führung sie zu lange zulässt.
Impuls des Tages
Wenn im Team etwas nicht funktioniert, ist die Ursache schnell gefunden: Der Mitarbeiter ist unzuverlässig. Das Team kommuniziert schlecht. Niemand übernimmt Verantwortung. Vereinbarungen werden nicht eingehalten.
Vielleicht stimmt das sogar. Trotzdem fehlt noch eine Frage.
Diese Frage bedeutet nicht, dass du für jedes Problem verantwortlich bist. Mitarbeiter tragen Verantwortung für ihr eigenes Verhalten, ihre Leistung und ihre Entscheidungen.
Führung trägt jedoch Verantwortung dafür, welche Erwartungen formuliert werden, welches Verhalten angesprochen wird, welche Konsequenzen folgen und welche Standards tatsächlich gelten.
Wenn ein Verhalten über Wochen geduldet wird, entsteht eine Botschaft – auch wenn sie niemals ausgesprochen wurde: Offenbar ist es doch akzeptabel.
Gute Führung beginnt deshalb nicht mit Selbstvorwürfen. Sie beginnt mit der Bereitschaft, den eigenen Einfluss ernst zu nehmen.
Wähle ein konkretes Problem
Nimm keine allgemeine Aussage wie „Die Stimmung ist schlecht“. Wähle ein konkretes Verhalten oder Problem, das dich im Arbeitsalltag tatsächlich beschäftigt.
Wo könnte dein Anteil liegen?
Prüfe nicht zuerst, ob du „schuld“ bist. Prüfe, ob eines dieser Führungsmuster auf deine Situation zutrifft.
Mehrfachauswahl möglich. Diese Auswahl dient nur deiner Orientierung und ist deshalb freiwillig.
Was hast du bisher geduldet?
Teams lernen nicht nur durch das, was Führungskräfte sagen. Sie lernen mindestens genauso stark durch das, was ohne Reaktion bleibt.
Was verstärkst du möglicherweise selbst?
Manchmal erzeugt Führung ungewollt genau das Verhalten, über das sie sich anschließend ärgert.
Dann lernen Mitarbeiter möglicherweise, Verantwortung wieder nach oben zurückzugeben.
Dann lernen Mitarbeiter möglicherweise, Entscheidungen lieber gar nicht erst selbst zu treffen.
Dann lernen Mitarbeiter, dass Regeln von Situation und Person abhängen.
Trenne Verantwortung sauber
Selbstreflexion bedeutet nicht, dem Mitarbeiter jede Verantwortung abzunehmen. Trenne deshalb die Situation in drei Bereiche.
Die entscheidende Frage
Ändere deinen Teil zuerst
Du kannst nicht kontrollieren, wie ein Mitarbeiter reagiert. Aber du kannst kontrollieren, wie klar, konsequent und verlässlich du selbst führst.
Verändere nicht zuerst den anderen.
Entscheide dich für einen Führungsanteil, den du ab heute selbst anders gestaltest. Klarer ansprechen, konsequenter reagieren, Verantwortung dort lassen, wo sie hingehört, oder eine längst notwendige Grenze setzen.
Deine neue Führungsregel
Formuliere aus deiner heutigen Erkenntnis eine einfache persönliche Führungsregel.