Tag 12 – Verantwortung beim Mitarbeiter lassen
Gute Führung löst nicht jedes Problem selbst. Heute lernst du, Mitarbeiter zu unterstützen, ohne ihnen Verantwortung wieder abzunehmen.
Gestern hast du ein notwendiges Gespräch nicht länger aufgeschoben. Heute geht es um eine andere Führungsfalle: Mitarbeiter bringen ein Problem – und am Ende liegt das Problem wieder bei dir.
Impuls des Tages
„Chef, was soll ich jetzt machen?“ „Kannst du das übernehmen?“ „Wie würdest du das lösen?“
Solche Fragen sind im Führungsalltag normal. Problematisch wird es, wenn jede Frage automatisch dazu führt, dass die Führungskraft denkt, entscheidet, organisiert und anschließend auch noch kontrolliert.
Dann entsteht eine ungünstige Lernlogik: Der Mitarbeiter bringt das Problem. Die Führungskraft übernimmt. Der Mitarbeiter geht wieder.
Verantwortung entsteht nicht, indem du einen Mitarbeiter mit Problemen alleinlässt. Sie entsteht, wenn du ihn beim Denken unterstützt, ohne ihm das Denken abzunehmen.
Wo übernimmst du zu schnell?
Denke an eine aktuelle Situation, bei der ein Mitarbeiter mit einem Problem zu dir kommt oder regelmäßig zu dir kommt.
Unterstützen oder übernehmen?
Zwischen Unterstützung und Rückdelegation liegt oft nur ein kleiner Unterschied.
„Okay, ich kümmere mich darum.“
„Ich rufe dort an.“
„Ich sage dir, wie du es machen sollst.“
„Was hast du bisher versucht?“
„Welche Möglichkeiten siehst du?“
„Welche Lösung würdest du vorschlagen?“
Wem gehört das Problem?
Nicht jedes Problem gehört automatisch dem Mitarbeiter. Manche Entscheidungen liegen tatsächlich bei dir.
Deshalb muss zuerst geklärt werden: Wer trägt für dieses Thema Verantwortung?
Die BND-Verantwortungsformel
Wenn ein Mitarbeiter ein Problem bringt, gehst du künftig in drei Schritten vor.
Was genau ist passiert und was ist das eigentliche Problem?
Welche Lösungsmöglichkeiten sieht der Mitarbeiter selbst?
Was wird der Mitarbeiter jetzt konkret selbst tun?
Eine Frage verändert das Gespräch
Die wahrscheinlich wichtigste Frage für mehr Eigenverantwortung lautet:
Diese Frage zwingt nicht. Sie öffnet Verantwortung.
Der Mitarbeiter muss überlegen, statt nur ein Problem abzuladen. Und du erfährst gleichzeitig, wie weit er selbst bereits denken kann.
Verantwortung heißt nicht: „Mach halt.“
Eigenverantwortung bedeutet nicht, Mitarbeiter mit einem Problem allein zu lassen.
Wenn Wissen, Erfahrung, Entscheidungsspielraum oder Ressourcen fehlen, musst du unterstützen.
Verantwortung braucht Spielraum
Du kannst Verantwortung nicht verlangen und gleichzeitig jede Entscheidung selbst kontrollieren.
Mitarbeiter müssen wissen, was sie selbst entscheiden dürfen und wann sie dich einbeziehen sollen.
Lass das Problem dort, wo die Verantwortung liegt
Nutze heute eine reale Situation. Sobald dir ein Mitarbeiter ein Problem bringt, springe nicht sofort in die Lösung.
Nicht lösen. Denken lassen.
Frage zuerst: Was genau ist das Problem? Was hast du bereits versucht? Welche Möglichkeiten siehst du? Was würdest du vorschlagen? Und was ist jetzt dein nächster Schritt?
Nach dem Gespräch
Warum übernimmst du eigentlich so schnell?
Rückdelegation entsteht nicht nur, weil Mitarbeiter Verantwortung abgeben. Führungskräfte nehmen sie häufig auch bereitwillig zurück.
Vielleicht bist du schneller. Vielleicht willst du Fehler vermeiden. Vielleicht denkst du, dass es einfacher ist, es selbst zu machen.
Deine Verantwortungsregel
Was nimmst du aus Tag 12 mit?
Fehler richtig behandeln
Verantwortung zeigt sich besonders dann, wenn etwas schiefgeht. Morgen geht es deshalb darum, wie du auf Fehler reagierst, ohne Schuldige zu suchen und ohne Verantwortung zu verwischen.